Das Rieck Haus

Das um 1533 entstandene Rieck Haus am Curslacker Deich 284 ist das älteste, noch erhaltene Hufnerhaus Norddeutschlands.

Seit 1998 gibt es immer im Juni das traditionelle Erdbeerfest, in der die süßliche Frucht im Mittelpunkt steht. Die Erdbeere hat für das Rieck Haus eine besondere Bedeutung: sie ist die erste Sammelnussfrucht, die um 1700 das erste mal dort angebaut wurde. Vorher hatte sich das Rieck Haus auf den Anbau von Getreide, besonders Gerste, spezialisiert.

Zum Erdbeerfest gehört die Erdbeerkönigin, die die Frucht in ganz Deutschland, stellvertretend für die Vier- und Marschlande, präsentiert. Das Fest lockt an einem Wochenende jährlich um die 25.000 Besucher nach Curslack.

Seit 1954 ist es auch eine Außenstelle des Altonaer Museums.  Seit dem Jahr 2013 wird das Rieck Haus vom Bezirksamt Bergedorf getragen, das in seiner Arbeit durch den Freundeskreis Rieck Haus engagiert unterstützt wird.

Die verschiedenen Gebäude, die zum Rieck Haus gehören, hatten in früherer Zeit unterschiedliche Bedeutungen.

Das Hauptgebäude ist das Reetgedeckte Hufnerhaus, das nach seiner Errichtung schon 1542 mit einer Diele erweitert wurde. 1565 erfolgte die Ausmauerung des Kamerfaches mit seinen Wohnstuben, 1663 die Erneuerung des Wirtschaftsgiebels.

Das Hufnerhaus ermöglichte Wohnen, Arbeiten, Erntelagerung und Viehlagerung unter einem Dach. Auf der Diele wurden rechts Kühe und links Pferde in Ställen gehalten und das Erntegut gelagert. An die Diele schloss sich ein Querteil -das Flett- an, in dem die Mädge und Knechte zusammen arbeiteten. An der Wand zum Flett sind übermauerte Herde angebracht, die die ältere, offene Feuerstelle in der Raummitte ersetzten. Durch eine der Seitentüren gelangt man dann durch einen kleinen Flur in das Innere des Hauses. Die beheizbaren Wohnstuben heißen “Döns”, die große für die junge Bauernfamilie “Grootdöns”, die “Lüttdöns” als Altenteiler für Oma und Opa. In den Wohnstuben gibt es eine eingebaute Schlafstätte, die sogenannten “Alkoven” oder “Butzen”.

Es wurde besonders auf eine hochwertige Inneneinrichtung geachtet. So sind zum Beispiel die Fliesen an den Wänden pflegeleichter Schmuck, der gut gegen Feuchtigkeit und Feuer schützte. Auch typisch für die Vierländer Stube ist das Inventar. Stühle mit geflochtenem Sitz und Intarsien, die meist zur Aussteuer gehörten und die Namen der Brautleute trugen und die “Truhe”, die im inneren kostbare Kleidung barg und in der sprichwörtlich “hohen Kante” Platz für erspartes Geld hatte, gehörten in jede Stube. Die Truhe war besonders bei Feuer sehr praktisch, da sie, auf die Deckelseite gekippt, wie ein Schlitten, leicht nach Draußen in Sicherheit gezogen werden konnte.

Zum Hauptgebäude gehören auch noch die beiden Scheunen.

Auch das Backhaus, in dem beim Erdbeerfest noch traditionelles Steinofenbrot gebacken wird und der Haubarg, der auf dem Erdbeerfest als “Bühne” dient, sind Teil des Museums.

Ein besonderes Symbol der Vierlande ist die Feldentwässerungsmühle, die 1953/54 aus  Ochsenwerder auf den Rieck-Hof versetzt wurde. Die Mühle erzeugt kein Mehl, sondern dient dazu, den Wasserstand auf den Feldern zu regulieren.

Die Gräben, die die Vier- und Marschlande durchziehen, sorgen durch die Verbindung zur Elbe, für die Ent- und Bewässerung. Bei zu hohen Wasserständen musste jedoch künstlich durch die Feldentwässerungsmühle nachgeholfen werden. Jede Mühle konnte bis 55 ha Land entwässern, also die Felder eines großen Hofes.

Links:
www.rieckhaus.org
www.4lande.de/rieck_haus

Eindrücke vom Erdbeerfest



Quelle Text: Vierlande, Kulturgeschichte zwischen Elbe und Bille, Kultur & Geschichtskontor